Hyaluronsäure reicht nicht? Was hält die Feuchtigkeit wirklich in der Haut?
Sie kaufen ein Serum mit Hyaluronsäure, weil alle davon schwärmen. In den ersten Tagen fühlt sich die Haut prall und glatt an, genau wie auf der Verpackung versprochen. Dann geht die Heizung an, die Luft in der Wohnung wird trocken, und das Gesicht beginnt zu spannen. Vielleicht sogar mehr als vor dem Serum.
Und dann beschließen Sie, dass das Serum nichts taugt.
Meistens taugt es durchaus. Es tut nur genau das, was es kann, und nicht mehr. Hyaluronsäure ist ein ausgezeichneter Inhaltsstoff, aber kein einzelner Inhaltsstoff hält die Feuchtigkeit in der Haut. Das schafft nur die gesamte Rezeptur.
Hyaluron ist ein Magnet für Wasser, kein Deckel
Hyaluronsäure kommt in unserer Haut von Natur aus vor. In der Kosmetik wird sie meist als Natriumhyaluronat verwendet, in der Liste der Inhaltsstoffe suchen Sie also nach Sodium Hyaluronate oder Hyaluronic Acid. Oft liest man, dass sie bis zum Tausendfachen ihres Eigengewichts an Wasser bindet.
Ob diese Zahl stimmt oder nicht, die Aufgabe von Hyaluron ist klar: Es zieht Wasser an und hält es in der obersten Hautschicht. Deshalb wirkt die Haut danach praller und glatter.
Aber Hyaluron verschließt die Haut nicht. Es zieht Wasser an und kümmert sich nicht darum, wohin das Wasser danach verschwindet.
Was passiert, wenn die Luft trocken ist
Inhaltsstoffe, die Wasser anziehen, nennt man Feuchthaltemittel oder Humektanten. Ein Übersichtsartikel über Feuchtigkeitscremes aus dem Jahr 2017 (Purnamawati und Kollegen) beschreibt, wie sie wirken: Sie ziehen Wasser aus feuchter Luft und aus tieferen Hautschichten an die Oberfläche.
Ist die Luft feucht, ist alles in Ordnung. Ist sie trocken, wie im Winter in einer geheizten Wohnung, kommt das Wasser vor allem aus der Haut selbst. Liegt nichts über dem Serum, verdunstet dieses Wasser leicht von der Oberfläche. Derselbe Artikel hält fest, dass Feuchthaltemittel allein den Wasserverlust der Haut sogar erhöhen können und mit etwas kombiniert werden sollten, das das Wasser hält.
Ein Magnet ohne Deckel.
Das heißt nicht, dass Hyaluron schlecht ist oder die Haut austrocknet. Ein Text über Hyaluron-Mythen, fachlich geprüft vom Dermatologen Corey Hartman, erklärt, dass dies vor allem dann passiert, wenn Hyaluron allein verwendet wird, auf trockener Haut und in sehr trockener Luft. In einer Pflegeroutine mit einer ölhaltigen Creme darüber müssen Sie sich davor nicht fürchten.
Drei Arten von Inhaltsstoffen, ein Team
Gute Feuchtigkeitspflege hat drei Aufgaben. Darüber habe ich bereits im Beitrag über Haut, die trocken bleibt, obwohl Sie sie ständig eincremen geschrieben, deshalb hier nur kurz:
- Feuchthaltemittel ziehen Wasser an. Hyaluron, Glycerin, Urea, Panthenol.
- Emollienzien machen die Haut geschmeidig. Öle und Lipide, die winzige Lücken an der Hautoberfläche füllen, sodass sie glatter und weicher wird. Eines davon ist Squalan.
- Okklusiva versiegeln. Wachs, Vaseline, Silikone. Sie bilden auf der Haut einen dünnen Film, der die Verdunstung von Wasser verlangsamt.
Okklusiva halten Wasser am besten zurück, am stärksten Vaseline. Der genannte Übersichtsartikel gibt an, dass sie schon in einer Konzentration von 5 % den Wasserverlust der Haut um mehr als 98 % senkt. Dafür sind sie schwer und fettig, und kaum jemand mag sie jeden Tag im Gesicht.
Deshalb kommt es bei einer Gesichtscreme auf das richtige Maß an. Etwas Wasser, etwas Öl, etwas, das hält, ohne dass sich das Gesicht anfühlt, als hätte man es mit Butter eingerieben.
Squalan: ein Öl, das die Haut kennt
Unsere Haut bildet ihr eigenes Fett, den Talg. Rund 13 % der Lipide an der Hautoberfläche bestehen aus Squalen, so ein Übersichtsartikel von Huang und Kollegen aus dem Jahr 2009. Squalan, um das es hier geht, ist ein enger Verwandter davon.
Squalen hat eine Schwäche: An Luft und Sonne oxidiert es schnell. Wird Squalen mit Wasserstoff gesättigt, entsteht Squalan, eine stabile Form, die in der Flasche nicht ranzig wird. Gewonnen werden kann es aus Olivenöl oder durch Fermentation von Zuckerrohr.
Squalan ist ein Emolliens. Es zieht schnell ein, hinterlässt keinen schweren Fettfilm und füllt winzige Lücken an der Hautoberfläche. Es ist keine Vaseline und versiegelt die Haut nicht wie Wachs, aber es ist ein guter Partner für Hyaluron: Das eine bringt das Wasser, das andere hilft, dass die Haut geschmeidig bleibt und das Wasser nicht zu schnell verschwindet.
Drehen Sie die Flasche um und lesen Sie die Rückseite
Auf der Vorderseite der Flasche steht meist ein einziger Inhaltsstoff, und zwar der, der sich gut verkauft. Die eigentliche Geschichte steht auf der Rückseite, in der Liste der Inhaltsstoffe.
Nach den Regeln der Europäischen Union werden die Inhaltsstoffe nach Gewicht absteigend aufgeführt, von dem mit dem größten Anteil bis zu dem mit dem kleinsten. Inhaltsstoffe unter einem Prozent dürfen am Ende stehen, in beliebiger Reihenfolge.
Es ist also kein Grund zur Sorge, wenn Hyaluron weit hinten auf der Liste steht. Es wird in kleinen Mengen verwendet und spendet auch so Feuchtigkeit. Viel wichtiger ist, was es umgibt. Steht auf der Liste noch etwas, das Wasser anzieht, etwa Glycerin oder Urea? Gibt es Öle, Squalan oder Butter? Gibt es irgendetwas, das die Feuchtigkeit hält, während die Heizung läuft?
Ein Serum, auf dem nur „Hyaluron“ steht und das außer Wasser und Konservierungsmittel nichts enthält, erledigt die halbe Arbeit. Die andere Hälfte muss das übernehmen, was Sie darüber auftragen.
So wenden Sie ein Hyaluron-Serum richtig an
- Reinigen Sie das Gesicht mit einem milden Reinigungsprodukt und tupfen Sie es mit einem Handtuch nur leicht ab, sodass es etwas feucht bleibt.
- Tragen Sie das Hyaluron-Serum auf und warten Sie, bis es eingezogen ist.
- Tragen Sie darüber eine Creme auf, die auch Öle enthält, nicht nur Wasser.
- Lassen Sie im Winter in einer geheizten Wohnung die Creme nicht weg. Weder morgens noch abends.
So sind auch die Gesichtsprodukte aus unserer Werkstatt aufgebaut. Das Feuchtigkeitsserum für das Gesicht basiert auf Aloe-vera-Saft, mit Glycerin, Panthenol und Hyaluron, und ist parfümfrei. Es ist der erste Schritt.
Die Feuchtigkeitscreme mit Hyaluron und Squalan erledigt beide Aufgaben auf einmal: Sie enthält Hyaluron, Glycerin und Urea, die Wasser anziehen, während Squalan und afrikanisches Marulaöl die Haut geschmeidig halten. Für den Abend, wenn die Haut reichhaltigere Pflege braucht, gibt es die nährende Creme mit Peptiden, mit demselben Paar aus Hyaluron und Squalan in einer festeren Textur.
Hyaluron muss nicht der Star Ihrer Pflegeroutine sein. Es braucht nur gute Gesellschaft.
Wenn es nicht am Serum liegt
All das gilt für Haut, die durstig ist. Wenn Ihre Haut einreißt, blutet oder stark juckt und sich auch bei regelmäßiger Pflege nicht beruhigt, ist das eine Aufgabe für die Dermatologin oder den Dermatologen, nicht für eine neue Flasche Serum.
Für alle anderen gilt eine einfache Regel. Hyaluron ist ein guter Spieler, aber es spielt nicht allein. Wenn Sie das nächste Mal eine Flasche in die Hand nehmen, drehen Sie sie um und schauen Sie, wer sonst noch im Team spielt.